Hinterher!

Andacht auf dem Kirchenkreistag

Lk 18,28-30
28 Da sprach Petrus: Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.
29 Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Frau oder Brüder oder Eltern oder Kinder verlässt um des Reiches Gottes willen,
30 der es nicht vielfach wieder empfange in dieser Zeit und in der kommenden Welt das ewige Leben.

 

Wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.

Wir haben, was wir hatten, verlassen.

Verlassen um des Reiches Gottes Willen.

Mir nach! Ruft Jesus scheinbar aus diesen Zeilen. Und ich fühle mich gerufen. Mir nach! Wie ein Anführer, der voran marschiert. Mir nach! Und nur voran, voran. Schau nicht zurück, marschiere mit und halte Schritt. Sonst bleibst du zurück. Mir nach! Gib auf, was du besitzt. Lass zurück, was dir wichtig war. Lass die Toten ihre Toten begraben und ach, jetzt halte dich endlich nicht mehr mit dem unwichtigen Zeug auf. Schau nach vorn und lass dich nicht ablenken, mir nach!

So radikal. So konsequent. Und anders geht es nicht, wenn er ruft und ich glaube, dass das stimmt: Ganz oder gar nicht. Ein halber Christ ist kein ganzer Mensch. Also ihm nach. Die Zelte abbrechen und mitgehen, denn ein Zelt braucht er ja nicht, hat keinen Platz, wo er sein Haupt hinlegt. Also wir auch nicht, also ich auch nicht, denn ich habe hier ja keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suche ich – suche ich in ihm, der von sich sagt, er ist der Weg und die Wahrheit. Also Aufbruch und ihm nach.

Da ist etwas in mir, das sehnt sich nach dieser Radikalität. So wie die ersten Jünger. Mir nach, sagt Jesus und sie lassen alles stehen und liegen und gehen, weil sie spüren: Das hier, der hier, der ist der Weg und die Wahrheit und vor allem ist und hat er das Leben für mich – Leben im Überfluss.
Da ist etwas in mir, das sehnt sich danach, dass ich bereit bin, stehen und liegen zu lassen, was mich hält – Haus und Hof und Kinder und Bedenken. Finanzpläne und Jahresabschlüsse, Verpflichtungen und Zeitlimits, Tagesordnungen und Protokolle. Gebäudebedarfsplan und Jubiläumsfeiern – mir nach, ruft Jesus, was hält dich noch, was hält dich eigentlich, mich und mein Wort zu suchen, immer wieder neu und endlich ganz und gar? Denn, ach, alle eure Sorge werft auf ihn, er sorgt für euch! Also ihm nach.

Doch Mensch bleibt Mensch. Und Grenze bleibt Grenze. Und er kennt diese Grenzen. Er kennt mich und mein Herz. Er kennt die Bedenken. Er weiß, wie wir sind. Dass wir es nicht einfach können. Die Toten tot sein lassen. Auf Haus und Hof und Sicherheit verzichten. Auf Tagesordnungen und Protokolle. Auf Pläne und Strukturen. Und ich frage mich: Wie hat er das gemacht, damals, einfach so? Ohne seine Route auf den Predigtreisen durch Galiläa minutiös zu planen? Ohne die besten Predigtstätten vorher zu reservieren? Ohne Zielgruppenanalysen und Milieustudien durchzuführen? Wie hat er das gemacht und wie haben sie das ausgehalten, die Menschen, die ihm nach sind?

Er ging auf einen Berg um allein zu sein, heißt es einmal, allein mit Gott, zum Beten, kein „Mir nach!“ und kein „Lass alles zurück!“ in diesem Moment. Doch sie kamen trotzdem. Sie haben es gespürt: Da wo er hingeht, da wo er ist, da ist Gott. Und da ist gut sein. „Hier lass uns Hütten bauen!“ ruft Petrus in dem Moment voll Euphorie und liegt damit doch voll daneben. Ihm nach. Dahin, wo Gott ist. Da wollen alle hin, wir doch auch!

Doch Hütten bauen will er nicht. Und ich höre mich und höre uns in Petrus, fast schon ein bisschen weinerlich: Wir haben doch alles zurückgelassen, wo bleibt denn jetzt unsere Belohnung? Wo bleibt denn jetzt unsere Hütte, unsere Sicherheit? Wir haben ihn doch, den neuen, großen Aufbruch, die Errungenschaften, wir haben sie doch, damals vor 500 Jahren, wir haben ihn doch, den großen Held, der so anders war, so radikal. Wir haben ihn doch und wir tun doch auch alles. Wir haben doch alles versucht und berechnet und trotzdem bricht so vieles weg und hört so vieles auf und werden wir immer weniger und älter und schwächer und ärmer. Fast schon ein bisschen weinerlich höre ich uns in Petrus: Gott, wo bleibt denn jetzt unsere Belohnung? Unsere Mühe, unsere schönen Pläne, damit die Menschen wieder zu uns kommen. Ja, siehst du das denn gar nicht?

Sie haben keine Pläne gemacht, damals in Galiläa. Wenn Jesus eines nie getan hat, dann das: Er hat niemals funktioniert nach Plan. Er hat die Nähe Gottes gesucht. Und sie verkörpert. Und das ist es, was anziehend war. Was „mir nach“ gerufen hat aus jeder seiner Poren. Und dem man sich nicht entziehen kann, wenn man ihm wirklich begegnet.

Mir nach. Lasst uns Gottes Nähe suchen. Den Menschen, der sie verkörpert. Ihm nach. Vielleicht jenseits von Studien und Plänen. Jenseits von Tagesordnungen und Protokollen. Ihm nach. Denn was könnte sonst wirklich wichtig sein?

Sie hatten nicht viel zu verlieren, die Fischer damals in Galiläa, könnten wir sagen. Was haben sie schon aufgegeben? Was ist das schon gegen das, was wir verlieren könnten: Jahrhunderte der Traditionen, altehrwürdige Gemäuer, Geld und Ansehen.
Doch was ist das schon gegen das, was wir gewinnen könnten: Das Reich Gottes und das ewige Leben. Also: Ihm nach. Und die Sorgen auf ihn geworfen.

Amen.

 

 

 

 

 

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